Füllwörter vermeiden

Füllwörter im Tool ersichtlich: jetzt, einmal, davon, schon, so, bereits, möglich

Füllwörter zukünftig vermeiden und abgewöhnen? Durch welche Informationen können Füllwörter ersetzt werden? Oder sind Füllwörter die „Seele des Textes“?

Noch nie war der Spruch passender: Alles kann, nichts muss. Wir möchten in den folgenden Zeilen zudem kein Loblied auf Vermeidungsstrategien singen. Wir werden euch vielmehr einige Impulse mitgeben und eure Synapsen mit unterschiedlichen Aspekten anregen.

Die Füllwort Definition

Wörter mit geringem Aussagewert werden in der Sprach- und Literaturwissenschaft als Füllwort bezeichnet.1

Diese Wörter sind zum Verständnis des Kontextes nicht notwendig. Füllwörter können allerdings dafür sorgen, dass der Inhalt emotional gefärbt oder Aussagen geglättet werden.

Füllwörter sind zum eigentlichen Verständnis des Kontextes nicht unbedingt notwendig. Sie können allerdings den Inhalt emotional in bestimmte Richtung führen und Aussagen relativieren.

Welcher Absatz hat euch besser gefallen? Welchen empfandet ihr sprachlich angenehmer?

Eine eindeutige Antwort ist gar nicht so einfach 🙂

Gesprochen oder Geschrieben

Und dann gibt es noch „gesprochene“ und „geschriebene“ Füllwörter: Ähm, und Äh sind klassische Beispiele. Selten werden diese Zeichenfolgen geschrieben, häufig gesprochen.

Andere Menschen füllen ihre Sätze mit Wortgruppen:

  • Weißt du?
  • Genau
  • Okay

Meist werden die Sätze durch Füllwörter aufgebläht, wenn wir den Inhalt nicht gut kennen oder unsicher sind. Warum sollten wir also beim Schreiben übertrieben viele Füllwörter nutzen? 😉

Zwei Füllwort-Lager

In unserer täglichen Arbeit oder bei Gesprächen mit Marketing-Verantwortlichen und in Redaktionen bemerkt man schnell, es existieren zwei Lager.

Die Einen sagen, „Füllwörter gehören zur Seele des Textes dazu“, die anderen wollen am liebsten alle abschaffen. Das der Weg typischerweise in der Mitte verläuft, sollte ebenfalls klar sein. Lässt sich allerdings viel schlechter vermarkten. Welche Richtung schlage ich ein?

Füllwörter sind toll

Selbstverständlich können Wörter eine grandiose Funktion besitzen. Inhalte können emotional eingefärbt, Sachverhalte genauer kommentiert werden, gar gesteigert werden.

Das ist mir egal.

Mir ist der zuvor genannte Umstand gleichgültig.

Das ist mir eigentlich egal.

Die Gleichgültigkeit wird verwässert, denn der Angesprochene kann sich der Aussage nicht sicher sein.

Das ist mir vollkommen egal.

Der deutschen Sprache gelingt es, unkomparierbare Wörter zu steigern. Herrlich oder?

In Briefen, in Kommentaren oder im privaten Austausch via Internet – kurz: überall dort, wo eine ungezwungene Atmosphäre herrscht oder es um zwischenmenschliche Belange geht –, hat ein Füllwort also durchaus seine Berechtigung.

Mario Schuhmacher

Ab wann es sich bei der inflationären Verwendung um einen schlechten Stil handelt, kann ich nicht beurteilen.

Füllwörter sind schlecht

Wir gehören zur Fraktion der Verteufler. Auch das bedeutet nicht, dass wir überhaupt kein unangebrachtes Wort zulassen! Kann man in dem zuvor geschriebenen Satz deutlich erkennen. 😛

Wir sind bemüht beim Sprechen auf „eigentlich“ zu verzichten. Beim Schreiben, überdenken wir zumindest die Verwendung von „auch“.

Was Füllwörter mit SEO gemein haben

Wir vertreten die Ansicht, zukünftige Algorithmen werden semantische Unterschiede granularer interpretieren, als dies jetzt der Fall ist. Die Verwendung von nichtssagenden Wörtern benötigt Rechenleistung, um den Kontext zu verstehen.

  • Alexa, wie wird eigentlich das Wetter in Leipzig?
  • Alexa, wie wird das Wetter in Leipzig?

Die Industrie prägt uns mit den dummen Maschinen einfacher zu sprechen. Warum nutzen wir dieses Wissen nicht dafür, unsere Texte dementsprechend anzupassen?

Wer definiert die Skalen?

Folgend betrachten wir uns das Keyword: „SEO Berlin“. Verständlich, dass hier besonderes SEO-Agenturen um eine Top-Platzierung kämpfen. Mit dabei einer der wohl bekanntesten SEOs Deutschland: Marco Janck. Zugleich ein Verfechter der „Füllwörter sind toll“ Strategie. Er sagt selbst von sich, er ist nicht der beste Schreiberling. Schreibt so, wie ihm der Berliner Schnabel gewachsen ist. Menschlich sehr sympatisch, algorithmisch gefährlich.

So sieht das Verhältnis an Füllwörtern der LP von Sumago2 im Vergleich zu den Top 100 Ergebnissen von Google aus.

Füllwörter Top 100 zum Suchbegriff "SEO Berlin"
Die Vergleichsseite (MyURL) definiert das Maximum bei der Verwendung der Füllwörter

Die einzelnen Striche zeigen URLs und deren Anzahl/Verhältnis an Füllwörtern im Text. Auf Position 3 befindet sich die besagte Landingpage. Diese verwendet mit Abstand die meisten Füllwörter.

These: Die Reduzierung der Füllwörter vermindert den Aufwand eines Algorithmus den Inhalt zu verstehen. Verbessert die Positionierung.

Diese Annahme spricht allerdings gegen die Einzigartigkeit von Inhalten. Wollen wir der breiten Masse entsprechen?

Wir müssen uns den Text genauer anschauen, um die Aussage zu entkräften.

Die Medien bauen wir aber erst später ein und damit werden dann auch diese Punkte verschwinden.

Sumago.de

Dieser Satz lässt sich leicht umschreiben: Medien bauen wir später ein, wodurch diese Punkte ebenfalls verschwinden.

Dadurch wird er nicht minder verständlich. Die Seele bleibt erhalten, wird unserer Meinung sogar weiter verstärkt. Im Beispiel handelt es schließlich um eine ungewollte Redundanz.

Analysiere deine URL und vergleiche die Ergebnisse mit Keyword-Wettbewerbern!



Disclaimer: Marketing-Kollegen werden mir sicherlich beipflichten. Wir betrachten uns an dieser Stelle eine – nur eine Metrik – von vielen!

Einige Quellen

Mario Schuhmacher: Worthülsen oder bewusstes Stilmittel? – Schöne Pro/Kontra-Liste

Christiane Sohn: Füllwörter – oder warum schmecken Texte manchmal schal? – Mit einer Übersicht bekannter Wörter

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