Ab Wann ist ein Wort ein Wort?

DistanceCloud: Ab wann ist ein Wort, ein Wort?

Warum zählen Programme unterschiedlich? Wie entstehen unterschiedliche Angaben von Wörtern und wie man als Nutzer in unterschiedlichen Situationen damit umgeht.

Ob ich einen Text selber schreibe, extern schreiben lasse oder einkaufe. Die Anzahl an Wörtern kann eine wichtige Messinstanz sein.

Der Auftraggeber recherchiert gern einen Umfang und gibt dem Texter eine unterschiedlich hohe Differenz als Wunsch an. Irgendetwas zwischen: Ich denke du kannst dich gern auslassen und irgendwas ab 1000 Wörter schreiben bis hin zu: Ich benötige einen Text mit genau 1000 Wörtern.

Oder der Schreiberling1) weiß, er darf nur drei Spalten füllen und hierfür genügen 750 Wörter. Die Differenz darf bei drei Wörtern oder 17 Zeichen liegen.

Die Buchhaltung soll einen Text von einem Journalisten zahlen, der einen Text über 1.000 Wörter geschrieben hat. Abgerechnet werden 10 Cent je Wort. Das Controlling hat allerdings gesagt, die Autoren sollen stichprobenartig geprüft werden. Gesagt getan. Den Text in eine beliebige Word-Datei eingefügt. Im untern Bereich auf die Anzahl geschaut:

Wortanzahl im Word-Dokument: Welche Wortanzahl ist korrekt?

Der Texter möchte allerdings 5105 Wörter abrechnen.

Also weitere Tools beauftragt, die Wortanzahl zu messen:

  • woerter-zaehlen.net misst 5153 Wörter, 36755 Zeichen, 51404 Zeichen mit Leerzeichen, 202 Sätze und 25,5 Wörter pro Satz im Durchschnitt
  • woerterzaehlen.de kommt auf 4441 Wörter, 36755 Zeichen und 41047 Zeichen samt Leerzeichen
  • orion-services.biz2) zählt 5086 Wörter, 451 Sätze, 436 Punkte, 15 Fragezeichen und 4635 reine Wörter (was auch immer das sein soll)
  • Microsoft Word kommt auf die erwähnten 4427 Wörter, 36.755 bzw. 41.047 Zeichen und 228 Absätzen
  • Termlabs.io landet bei 4.767 Wörtern, 36.823 (43.105) Zeichen, 656 Sätze und 7,1 Wörtern je Satz
  • Word Count – Chrome Erweiterung & Internetseite sagt 4468 Wörter, mit 36755/41402 Zeichen
  • Wir (Visual-Matter.com) kommen derzeit auf 4129 Wörtern bei 195 Sätzen und 357 Absätzen

Dabei messen wir die Differenz von Wörtern innerhalb (3322) und außerhalb von Sätzen (807).

Die Spanne der Wortanzahl liegt somit derzeit bei minimal 4129 Wörtern und maximal bei 5153, was einer Diskrepanz von etwa 20 Prozent entspricht.

Bei den Zeichen liegen die Messmethoden näher bei einander: Zwischen 36755 und 41047 (ohne Leerzeichen) und bei 10,5 Prozent. Ebenso variiert die Anzahl an Sätzen und Abschnitten zum Teil deutlich.

Als Nutzer entscheide ich selber, welche Zählmethode ich in welcher Situation verwende.
Im geschäftlichen Kontext solltet ihr euch auf eine gemeinsame Methode verständigen.

Wie kommt es zu den unterschiedlichen Zählmethoden?

Wenn du keine Lust auf Theorie hast, dann springe gern direkt zu den Möglichkeiten, wie du mit dem Umstand umgehst. Keine Sorge, wir werden dir nicht zwingend unser Tool ans Herz legen.

Ich bin ein Auftraggeber

Zunächst sollten wir definieren, was ein Zeichen und ein Wort ist und wie es zu einem Satz kommt.

Zeichen ist die kleinste Einheit

Vom Zeichen zum Buchstaben

Es lassen sich Zeichenmuster (type) und Zeichenvorkommnis (token) unterscheiden. Diese Differenzierung geht auf Charles S. Peirce3) zurück. Der Zusammenhang wird gern mit dem Wort „Hallo“ erklärt. Dabei besitzt der Buchstabe „l“ als Muster zwei Vorkommnisse. Die Unterteilung von Zeichen als Muster ist daher eher eine abstrakte Größe.

Wichtiger erscheint uns dagegen die Unterscheidung in

  • indexikalische Zeichen (Zeichen ohne Kommunikationsabsicht) sowie
  • Kommunikationszeichen (Zeichen mit Kommunikationsabsicht)

Dabei handelt es sich um eine idealtypische Unterscheidung, da die Grenzen zwischen einem spontanen und einem täuschenden Lächeln verschwimmen. In der Verschriftlichung, also der Bereich auf den wir uns beziehen, ist die Unterscheidung zum Glück einfacher.

  • (Schrift)zeichen – besitzt eine einzelne Bedeutung
  • Zahlzeichen – Schriftzeichen mit dem Wert einer Zahle, ein Ziffernwert
  • Formelzeichen – nach DIN 1304, mathematische Zeichen (DIN 1302) und Einheitenzeichen (1301)

Dem linguistischen Verständnis nach, ist erst ein Wort ein symbolisches Zeichen (englischen „sign“). Im Unterschied hierzu existiert der Begriff des Schriftzeichens (englisch character).

Wir haben somit die nächste Einheit gefunden, den Buchstaben.

Klären wir nun, ob Zahlen als Wörter angesehen werden!

Buchstaben

Buchstaben als visuelle Darstellung
Buchstaben als visuelle Darstellung

In unserer Alphabetschrift bilden Buchstabensequenzen Wörter.

Aneinandergereite Buchstaben bilden somit Wörter, aber was ist mit 8-Zylinder oder 100-prozentig? Was passiert, wenn Buchstaben mit Zahlzeichen ergänzt werden?

Merke! Dies wird von Tools unterschiedlich bewertet.

Und schon wird es für die Zählmethode kompliziert. Denn

ein Wort ist ein Wort, wenn

die Zeichenfolge eine eigenständige Bedeutung besitzt. Noch theoretischer ausgedrückt, beschreibt ein Wort eine selbständige sprachliche Einheit4).

Allerdings existiert keine allgemeine Definition und es ist umstritten, ob der Begriff eine brauchbare Kategorie ist. Also vornehmlich in der Sprachwissenschaft aber diese werden wir im Laufe des Textes mindestens streifen.

Und dann gibt es zwei Pluralformen, denn semantisch ist folgende Unterscheidung üblich:

  • Wörter bezieht sich auf einzelne oder vereinzelte Objekte.
  • Worte bezieht sich auf eine Äußerung, einen Zusammenhang bildende Wörter.

Wenn mehrere einzelne Objekte auftreten, dann sprechen wir von Wörtern, also die Pluralform von Wort: „Der Text enthält 1700 Wörter“.

Der Text nutzt zur Erklärung somit viele Worte. Hier wird die Begrifflichkeit in einem feststehenden Zusammenhang genutzt. Typisch bei Grußworten oder Ausdrücken, wie „ehrliche Worte“.

Wortkombinationen

Wir Deutschen sind (angeblich: Ich habe noch keine weiteren Infos gefunden) Meister im Bereich Wortneuschöpfungen. Der Neologismus kann als Stilmittel verstanden werden und gibt es in allen „lebendigen“ Sprachen5). Ebenso lieben wir den Bindestrich. Denn er kann zur Hervorhebung und Verdeutlichung6) eingesetzt werden. Sogar Durchkopplungen sind möglich!

Es stellt sich also die Frage, wie der y-Achsen-Abschnitt oder der 450-Euro-Job in die Bewertung einfließt.

Mehrere Wörter ergeben einen Satz

Ein Satz ist eine in sich geschlossene sprachliche Einheit und besteht zumeist aus mehreren Wörtern. Selbstverständlich existieren ebenfalls mehrere Definitionen:

  • grammatikalisch – wird durch Regeln der Syntax erzeugt = größte Einheit
  • kommunikativ – eine Sprechhandlung wird vollzogen = kleinste Verständigungseinheit

Für uns gilt eher die orthografische Definition, also eine schriftliche Kennzeichnung:

  • Der Satzanfang wird großgeschrieben
  • Satz endet mit einem Satzzeichen
  • Satzzeichen sind Punkt (.), Ausrufezeichen (!), Fragezeichen (?), Auslassungspunkte (...)
  • Der Satzbau wird im Inneren durch Komma (,), Semikolon (;), Doppelpunkt (:), Gedankenstrich () gekennzeichnet

Demzufolge werden Listen – starten gern mit einem kleinen Buchstaben und verfügen über kein Satzzeichen – je nach Zählmethode unterschiedlich bewertet.

Viele Sätze können einen Absatz ergeben

Werden Sätze zu einer Sinneinheit zusammengeführt, dann ergibt sich ein Absatz. Daher kann der Passus als Sinnabschnitt bezeichnet werden. In der Typographie wird er als Zeilenumbruch dargestellt.
Im Internet werden Absätze daher zumeist via <p></p> identifiziert. Allerdings können weitere Steuerzeichen verwendet werden:

  • erzwungener Umbruch (<br />)
  • horizontale Linie (<hr />)

Über die Länge eines idealen Absatzes streiten sich die Texter. Hängt sicherlich maßgeblich von der Länge eurer Sätze ab 😉 Daher sollten wir bis zu 7 Zeilen pro Absatz, als angenehme Texteinheit definieren.

Unterschiedliche Zählmethoden

Gerade haben wir uns theoretisch den unterschiedlichen Zählmethoden genähert. Es wird Zeit diese im Praxiseinsatz zu prüfen.

Sind Zahlzeichen Wörter?

Wie gehen die einzelnen Tools mit Zahlzeichen um? Also beispielsweise mit Jahreszahlen?

Für den Schreiberling dürfte klar sein, dass der folgende Satz aus seiner Sicht aus 9 Wörtern besteht.

Das Unternehmen für Onlinemarketing wurde im Jahr 2017 gegründet.
  • Menschenverstand – 9 Wörter
  • www.woerter-zaehlen.net – 9 Wörter
  • www.woerterzaehlen.de – 9 Wörter
  • www.orion-services.biz/de/wordcounter-de.php – 10 Wörter
  • Word – 9 Wörter
  • Wir – 9 Wörter

Zwar wird bei Orion Services angegeben, dass die Anzahl an „reinen Worten“ 9 beträgt aber was soll dies bedeuten? Laut eigener Aussage sind „Reine Wörter“: „Wörter ohne Punkte, Leerzeichen, Ausrufezeichen und Fragezeichen“.

Screenshot des Online-Wortzählers von Orion-Services vom 8. Januar 2020
Der Online-Wortzähler zählt eigenartig

Es müsste vielmehr heißen:

  • Anzahl der Wörter: 9
  • Reine Worte (ohne Zahlzeichen): 8

Kombination von Schrift- und Zahlzeichen

Wir haben herausgefunden, dass Tools Wortkombinationen wie 8-Zylinder und 100-prozentig unterschiedlich bewerten.

8-Zylinder oder 100-prozentig?
  • Menschenverstand – 3 Wörter
  • www.woerter-zaehlen.net – 5 Wörter
  • www.woerterzaehlen.de – 3 Wörter
  • www.orion-services.biz/de/wordcounter-de.php – 3 Wörter
  • Word – 3 Wörter
  • Wir – 3 Wörter

Dadurch fällt für mich das erste Tool für die Berechnungsgrundlage aus 😉

Screenshot von woerter-zaehlen.net vom 8. Januar 2020
Schrift- und Zahlzeichen Kombinationen werden einzeln gezählt

Kopplungen

Können Tools Kopplungen verstehen? Hat der folgende Satz 10, 12, 13 oder gar 16 Wörter?

Die Deutsche-Bank-Filiale fordert für den 450-Euro-Job die Angabe einer E-Mail-Adresse.

Wir haben somit die nächste Einheit gefunden, den Buchstaben.

Je nach verwendetem Tool kann jedes Ergebnis stimmen. Des Texters-Freund kann des Auftraggebers-Leid sein.

  • Menschenverstand – 10 Wörter
  • www.woerter-zaehlen.net – 16 Wörter
  • www.woerterzaehlen.de – 10 Wörter
  • www.orion-services.biz – 11 Wörter
  • Word – 10 Wörter
  • Wir – 10 Wörter

Für einige Tools ist jedes Zeichen, was sich an einen Buchstaben anschließt aber kein Buchstabe ist, ein Trennzeichen. Somit ein eigenständiges Wort.

Nach unserem Verständnis ist dies allerdings falsch 😉

Unsere Erkenntnisse

Entschuldige meinen langen Brief, für einen kurzen hatte ich keine Zeit

scheinbar Blaise Pascal, einem französischen Mathematiker und Philosoph7)

Die Anzahl an Wörtern ist für Auftraggeber und Auftragnehmer eine ungünstige Messgröße. Und dennoch treffen wir diese häufig. Ich gehe davon aus, dies ist auf die Geschichte zurückzuführen, denn in einer Zeitung war dieser Umstand wichtig. Hier gibt es eine durch den Satz festgelegte Anzahl zur Verfügung stehenden Platz an. In Zeiten in denen der Platz unendlich erscheint, sollten wir eventuell auf andere Systeme zur Bezahlung der Leistung zurückgreifen.

Leider hat sich in der Online-Welt ein weiterer Mythos eingeschlichen: Je länger ein Text, desto hochwertiger erscheint dieser. Dadurch kommt es erneut dazu, dass die Anzahl an Wörtern einen hohen Stellenwert genießt.

Lesenswerter Artikel von Ralf Gerhard Ehlert: Auf die Länge kommt’s nicht an (1600 Wörter)

Da die Wortanzahl allerdings gebräuchlich ist, hier einige sowie weitere Vorschläge.

  • Wir lassen uns nach Normseiten bezahlen. Aber in unserer Online-Welt existieren doch gar keine Seiten mehr. Also zumindest keine klassischen bzw. vergleichbaren Seiten.
  • Könnten wir auf die Zeichenzahl als Einheit ausweichen?
  • Bezieht die mögliche Lesezeit ein. Wie lange wollt ihr den Nutzer fesseln?

für Texter

Texter sollten bereits zur Geschäftsanbahnung angeben auf welcher Basis Wörter gezählt werden. Somit direkt vereinbaren, auf welcher Grundlage die Bezahlung erfolgen soll.

Zum Zählen solltet ihr immer das identische Tool verwenden, denn ansonsten können sich die Ergebnisse stark unterscheiden.

Überlegt gemeinsam, ob eine Abrechnung der Wortanzahl die ideale Methode für euer Geschäftsmodell ist.

für Auftraggeber

Lasst euch vor dem nächsten Auftrag mitteilen, auf welcher Basis die Wörter berechnet werden.

Gibt es eine andere Methode oder andere Metriken, um nicht nur die Anzahl als bestimmendes Element zu verwenden. Beispielsweise durch die Maximalanzahl an Füllwörtern im Text?

Interessante Statistiken

Nicht jede Statistik wird euch bei der täglichen Arbeit helfen, allerdings gibt es durchaus Wort-Statistiken, die ihr als Berechnungsgrundlage nutzen könnt.

Woerter im Vergleich
Statistiken können wir auch, hier Wörter deiner Seite im Vergleich

Das längste Wort der deutschen Sprache

ist laut Duden-Definition mit 44 Buchstaben: Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung8). Ich persönlich halte den Bindestrich für unrechtmäßig. Ich beziehe mich somit viel lieber auf das 2013 abgeschaffte Gesetz9): Rindfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz.

Weitere Gedanken zu langen Wörtern

Grandiose 63 zusammengehörige Buchstaben verbinden sich zu einer Einheit. Sicherlich nach wie vor ein sehr langes Wort, aber es wird kaum mehr Verwendung finden.

In dem Zusammenhang sei zudem die allgemeine Definition für „das längste Wort“ genannt.

  • Es werden die einzelnen Buchstaben gezählt.
  • Diese sollten möglichst nicht mit einem Bindestrich verbunden sein.
  • Und es sollte sich nicht um eine Fantasiebildung handeln.

Gerade Letzteres ist bedauerlich, denn ich mochte Donaudampfschifffahrtskapitänkajütentürschlüsselanhängerbildchen. Das sind im übrigen 64 Zeichen.

Zwar existiert die Eigennamenkomposition Donaudampfschiffahrtsgesellschaftskapitän10) tatsächlich, wird allerdings dem Duden zufolge nach Donau gekoppelt.

Bleibt somit das Bundesausbildungsförderungsgesetz (33) oder das Arbeiterunfallversicherungsgesetz übrig, denn die 67 Buchstaben der Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung werden im Duden noch nicht erwähnt.

Apropos Duden. Der Duden ist dein deskriptives Nachschlagewerk. Das bedeutet, es richtet sich nach der Sprache und gibt kein Richtig oder Falsch im klassischen Sinne vor.

Ach und es gibt wohl noch Schauspielerbetreuungsflugbuchungsstatisterieleitungsgastspielorganisationsspezialist. Ein Wort welches 85 Buchstaben besitzt und angeblich zum ersten Mal in der Neue Züricher Zeitung11) seine Verwendung gefunden hat. Angeblich der Job-Titel von Rudolf K. Rath.

Er ist also Spezialist für Schauspielerbetreuung, Flugbuchungen, die Statisterieleitung und Gastspielorganisator.

Im Guinness-Buch der Rekorde wird ein (Kunst)wort mit 79 Buchstaben (alte Rechtschreibung) angegeben, dessen Existenz jedoch umstritten ist.

Donau­dampfschifffahrts­elektrizitäten­hauptbetriebswerk­bauunterbeamten­gesellschaft

Durchschnittliche Länge eines deutschen Wortes

liegt bei 10,6 Buchstaben. Wenn wir als Datengrundlage den Wortschatz des Rechtschreibduden zugrunde legen. Legen wir den kompletten Dudenkorpus zugrunde ergeben sich lediglich 6,09 Buchstaben. Dies hängt damit zusammen, dass einfache Wörter in Texten überpropotional häufig eingesetzt werden.

Quelle der Grafik und der Daten ist Duden.de

12,73 Buchstaben wäre die Antwort, wenn wir uns auf die 17,4 Millionen Grundformen im Dudenkorpus stützen.

Wie viel Wörter

sind auf einer Normseite?

In Deutschland wurde die Normseite von der VG Wort mit 1500 Zeichen festgelegt12), was 30 Zeilen mit maximal 60 Anschlägen entspricht. Ihr habt richtig gelesen, hier wird von Anschlägen gesprochen, denn die Angabe stammt aus der Ära der Schreibmaschinen. Ein Blatt kann somit mit 1800 Anschlägen malträtiert werden.

Eine Normseite kann mit bis zu 1.800 Zeichen beschrieben werden

In der Praxis erreicht eine Normseite andere Werte. Gefunden habe ich Angaben zwischen 1.450 und 1.650 Zeichen. Meine ins leere Word geschriebene Seite erreicht knapp 1.600 Zeichen bei exakt 229 Wörtern.

--> Wissenschafts-Thurm: Seite ist nicht gleich Seite

sind in einem durchschnittlichem Satz?

Etwa 17 Wörter je Satz könnten als Maß für verständliche Texte gelten13).

Je nach Zielgruppe und Textgattung kann die Zahl jedoch stark variieren. Eine verlässliche Angabe zur durchschnittlichen Länge eines Satzes zu geben ist daher schwierig und die Experten sind sich ebenfalls uneinig.

Die Obergrenze der optimalen Verständlichkeit liegt laut dpa bei 9 Wörtern und bei 13 Wörtern für Hörfunknachrichten nach Weischenberg14). Diese 13 Wörter könnten wir als Obergrenze für eine Sprachausgabe via Smart Assistent definieren.

Die durchschnittliche Satzlänge in der BILD-Zeitung betrug 2001 lediglich 12 Worte. Die Deutsche Presseagentur gibt 20 Wörter als Obergrenze des Erwünschten und 30 als Obergrenze des Erlaubten an.

sollten einen optimalen Satz bilden?

Die Spannweite liegt zwischen drei und 31 Wörtern.

Wörter je SatzAngabe/Vorgabe
3 bis 9Spannbreite die ein dt. Durchschnittsleser 3 Sekunden liest
9Obergrenze der optimalen Verständlichkeit laut dpa
12Obergrenze für kurze Sätze nach Björnsson
7 bis 14Spannbreite der Wortanzahl die für das Kurzzeitgedächtnis übermittelt werden können (ca. 6 Sekunden)
10 bis 15Empfohlene Satzlänge für geschriebene Sprache nach Seibicke
10 bis 23Sätze in Pressetexten
12Durchschnittliche Satzlänge in der BILD-Zeitung (2001)
12 bis 15Mehrzahl der Sätze in geschriebener Sprache nach Seibicke
13Obergrenze für Hörfunknachrichten nach Weischenberg
15Obergrenze für Printnachrichten nach Weischenberg
17Empfohlene durchschnittliche Satzlänge
18 Obergrenze der Leichtverständlichkeit nach Reiners, Obergrenze für Journalisten nach Sturm & Zirbik
20Obergrenze des Erwünschten bei der dpa
25 bis 29Texte in der WIssenschaft
30Obergrenze des Erlaubten bei der dpa
31Durchschnittliche Satzlänge im Dr. Faustus von Thomas Mann
Quelle: Wikipedia zu Textverständlichkeit, Zimmermann 2015

dpa Qualle: Wolf Schneider: Deutsch für Profis: Wege zu gutem Stil. 14. Auflage. Goldmann, München 2001, S. 90.

sind in der deutschen Sprache?

Etwa 5,328 Millionen Wörter umfasst die deutsche Gegenwartssprache15). Da ständig neue Wörter gebildet werden und sich eine Sprache im Wandel befindet, kann es nie eine exakte Angabe geben.

Der Korpus des Rechtschreibduden basiert auf etwa 145.000 Wörtern16), die Grundformen der Gegenwartssprache wird auf bis zu 350.000 Wörter geschätzt und das Große Wörterbuch der deutschen Sprache umfasst derzeit 465.000 Einträge17).

bilden den deutschen Wortschatz?

Einige Zahlen und Fakten zum deutschen Wortschatz.

DatenWortanzahl
Alltagskommunikation (tägliche Verwendung)750 ³
Alltagskommunikation (befähigen dich alles auszudrücken)2500 ³
aktives Vokabular eines ungebildeten Muttersprachlers5000 ³
aktiver Wortschatz eines dt. Durschschnittsprechers12.000 bis 16.000 ²
Anzahl an Fremdwörtern eines Durchschnittsprechers3.500 ²
Anzahl an Wörtern die verstanden werdenmindestens 50.000 ²
Standardwortschatzetwa 70.000
Stichwörter der englischen Sprache18)620.000 ²
Stichwörter der französischen Sprache19)100.000 ²

Quellen: Duden.de, Welt-Artikel (²) und Prof. Alexander Arguelles (³)

können am Tag geschrieben werden?

Bis zu 10.000 Wörter schreiben Autoren pro Tag. Allerdings liegt der Durchschnitt „lediglich“ bei knapp über 2.100 Wörtern, der Mittelwert bei 1.000 Wörtern20). Realistisch erscheint mir ein Wert um 1.500 Worte – jeden Tag 😉

Du bist ein Vielschreiber, wenn du am Ende des Tages 3.000 Wörter geschrieben hast. „Hobby-Schriftsteller“ sollten mit 200 Wörtern pro Tag kalkulieren, womit etwa 46.000 Wörter im Jahr erreicht werden. Ein professioneller Autor schafft maximal einen Roman im Jahr21).

befinden sich in einem Manusskript?

Erfahrungswerte zeigen, dass ein typisches Manusskript etwa 75.000 Worte beinhaltet22). Romane starten somit bei etwa 50.000 Wörtern23).

besitzen spezielle Textgattungen?

Durchschnittliche Anzahl an Silben im Wort.

Textgattungunter Grenze der Wortlängeobere Grenze der Wortlänge
Pressetext1,812,29
fachwissenschaftlicher Text2,042,32
gesprochene Sprache1,521,66
Lese- und Lehrbuchtexte1,321,88
Briefe 20. JahrhundertkA1,68
Epik und Prosa 20. JahrhundertkA1,70
Quelle: Wikipedia
können wir fehlerfrei sprechen?

Etwa aller 1.000 Wörter versprechen wir uns. Dabei wird eine durchschnittliche Sprechgeschwindigkeit von 120 bis 150 Wörtern je 60 Sekunden angenommen.

--> phase 6 Magazin: 11 Fakten zur deutschen Sprache

Tipps zum Umgang

Was sollst du aus all den Zeilen mitgenommen haben?

  1. Entscheide dich, welche Messgröße du für einen Text vereinbarst und
  2. bestimme ein Tool mit dem diese Metrik geprüft wird.
  3. Überlegt euch, ob die Aussage: „Ich brauche x Anzahl von Wörtern?“ zu einem für euch optimalen Text führt.

Noch 60 Worte zum Umfang eines Textes. Nicht nach der Anzahl an Wörtern abrechnen bzw. das ist falsch, ihr könnt danach abrechnen, wenn dies keine Rolle spielt. Ein Text lässt sich kaum daran messen. Ein Auto mit 550 PS kann langsamer sein als eines mit 300 PS, da es auf das Leistungsgewicht ankommt. Ein Text mit 700 Wörtern kann inhaltsvoller sein, als ein 5.500 Worte umfassendes Pamphlet.

Fußnoten[+]

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